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Morgenritual: Weltfrieden, ich komme!

Es ist Mittwoch, und ich habe euch versprochen, dass ich heute über den wichtigsten Aspekt meines Homefficedaseins berichte. Und der ist gar nicht so ohne!
Denn direkt nach dem Gassi gehen und dem ersten Frühstück des Chefs geht´s schon los: Hier entscheidet jeder einzelne Tag auf´s Neue über Wohl und Wehe der Tischlerei, des Chefs und des Weltfriedens:
Es geht nämlich um nichts Geringeres als die tägliche Verabschiedung vom Chef!
Und dabei ist ein von mir genau ausgearbeitetes und mittlerweile stark optimiertes Ritual penibel einzuhalten:
Nachdem der Chef vom Küchentisch aufgestanden ist und sich seine Brotdose in die Tasche gesteckt hat, eile ich sofort los, um meinen Quietschie bzw. das, was vom jeweils aktuellen Quietschie noch übrig ist, zu holen.
(Unter uns: Manchmal wird diese Aufgabe erschwert, weil ich am Abend vorher nicht richtig die Arbeitsvorbereitung abgeschlossen habe. Folglich liegt mein momentanes Lieblingsdings (Quietschie, Ball vom Quietschie, ein Bällchen – oder was auch immer) nicht an Ort und Stelle, und ich habe Probleme mit dem Wiederfinden. Das Drama ist dann groß und viel Aufwand nötig, um das Ritual doch noch einhalten zu können. Dann renne ich aufgeregt hin und her und habe Panik, dass der Chef aus lauter Duseligkeit vergießt, das Ritual einzuhalten. Meistens erbarmt sich dann die Chefin und sucht das Bällchen mit… )
Aber wir waren ja beim zur Arbeit gehenden Chef, mir und dem Bällchen. Und wir gehen jetzt der Einfachheit davon aus, dass mein Bällchen dort liegt, wo es hingehört und ich es in meiner Schnute habe, so wie es sich gehört.
Als nächster Punkt der Tagesordnung geht der Chef zur Treppe.
Dort stellt er sich exakt auf die vorletze Stufe von oben und lässt sich als Vorgeplänkel von der Chefin umarmen, zur Vorsicht ermahnen und küssen.
Und jetzt kommt mein Part: ich komme mit dem Bällchen an. Und das wird von mir angepriesen wie vom Vorwerk-Vertreter der Kobold! Ich kaue, quietsche, laufe mit dem Bällchen wie, wie…, wie sonst was!
Meine verkäuferischen Qualitäten zeigen sich schlussendlich darin, dass der Chef nun auch unbedingt das Bällchen haben will.
Aber ich gebe ihm das nicht, jedenfalls nicht jeden Tag! Statt dessen lasse ich mich erstmal vom Chef kraulen und knuddeln.

Und erst danach überlasse ich ihm manchmal (!) aus Versehen (!!) das Bällchen. Aber der Chef ist ja auch ein wenig unkoordiniert und daher fällt das Bällchen entweder die Treppe runter, oder es fliegt, unabsichtlich geworfen den Flur entlang bis zum 6m entfernten Wohnzimmer. Aber egal, wo es landet, ich mache mich sofort eiligst an die Verfolgung und hole es mir zurück…um in einem Affentempo einen Home Run in mein Körbchen hinzulegen! Diese Punkte gehen immer an mich!

Danach kabbeln sich der Chef und ich uns noch ein wenig zwischen dem Treppengeländer hindurch um das Bällchen, bis er dann endgültig nach unten geht, sich seine Schuhe und die Jacke anzieht, den Schlüssel einsteckt und schon endlich aus dem Haus geht.
Ich höre ihn dann nur noch durch das offene Fenster (es MUSS offen stehen in der Minute, in der er aus dem Haus geht und in´s Auto steigt!!!).

Alles in allem kann dieses Ritual gar nicht wichtig genug einschätzt werden! Das kann man schon daran erkennen, dass beim Heimkommen abends immer etwas schief läuft, wenn wir morgens nicht genau nach Plan vorgegangen sind. Schlimmstenfall stört der Chef das Ritual, in dem er einen Koffer mitnimmt oder gar zu anderen Zeiten das Haus verlässt. Dann kann es tatsächlich ein paar Nächte dauern, bis er zurück kommt!

Neuerdings habe ich neben dem Tischlerhund-Sein aber noch einen neuen Job, und der hat mit der neuen Praxis der Chefin zu tun. Aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal.

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