Neulich Abend, 19 Uhr, ein Anruf: „Hallo, hier Herr Müller, mein Vater hat sich ausgesperrt. Könnten Sie ihm bitte die Tür öffnen?“
Der Vater von Herrn Müller ist mir wohlbekannt: Er gehört zu den Kunden, die wir regelmäßig in Sachen Schließtechnik und Einbruchschutz betreuen. Daher die Rückfrage: „Haben Sie schon mal in den Hosentaschen Ihres Vaters nachgesehen? Meistens hat er den Schlüssel dann doch irgendwo dabei.“
Diesmal nicht. Und Herr Müller jun. befand sich auch nicht in der Nähe seines Vaters.
Also fuhr ich los.
Angekommen, erwartet mich eine denkwürdige Situation: Die Polizei steht vor dem Haus, Herr Müller sen. ist auf Anhieb nicht zu entdecken – bis man den Blick über eine alte Holzleiter schweifen lässt, die in dem Moment bis in den dritten Stock reicht. Auf ihr klettert Herr Müller sen., vorsichtig geschätzt weit über 80 Jahre alt, zielstrebig nach oben.
Die Kollegen von der Polizei kenne ich gut – wir teilen zeitweise denselben Kundenkreis. Einer spricht gerade in sein Funkgerät: „… und wenn der Herr Hoppe nun auch noch gleich zu mir kommt, können wir fahren.“
Ich komme zu ihm. Die Polizisten fahren trotzdem noch nicht. Sie wenden ihre gesamte Überredungskunst auf, Herrn Müller zum Abstieg zu bewegen. Denn selbst wenn er es bis nach oben schaffen würde, würde ihn dort eine geschlossene Balkontür erwarten.
Während die Ordnungshüter sich um Herrn Müller kümmern, mache ich mich über die Wohnungstür her. Sie ist unverschlossen, mit einer Not- und Gefahrenfunktion ausgestattet und nur dank Durchzug zugefallen. Die Öffnung ist im Handumdrehen erledigt.
Während Herr Müller von den Polizisten die Treppe hochbegleitet wird, schimpft er noch immer über seinen Sohn: „… nie hilft er mir … hätte der nicht mal die Leiter festhalten können …“
Dabei hätte der andernorts wohnende Sohn vor Ort auch nicht viel ausrichten können. Herr Müller sen. ist dank Lebenserfahrung äußerst misstrauisch geworden. Obwohl ich einen wirklich anspruchsvollen und einbruchsicheren Schließzylinder in seine Tür eingebaut habe, wechselt er ihn alle zwei Wochen aus. Er hält zu diesem Zweck einen Vorrat an hochwertigen Wechselzylindern bereit, die er in einem ausgeklügelten System regelmäßig rotieren lässt. Die dazugehörenden Schlüssel gibt er sicherheitshalber nicht aus der Hand — so dass auch der liebste Sohn in solchen Situationen im wahrsten Sinne des Wortes hilflos ist.
Was bleibt, ist Hochachtung für die körperliche Fitness von Herrn Müller sen. In dem Alter noch eine Leiter in den dritten Stock: Respekt.
Falls Sie sich mal aussperren oder Hilfe mit Schließtechnik brauchen: Wir sind als Schlüsseldienst für Rinteln und Umgebung vor Ort.


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