Danke für 25 Jahre, Edu!

Im Jahr 2000 stand er plötzlich bei uns in der Werkstatt.
Berufsgrundbildungsjahr in der Tasche, eher ruhig, schmal und drahtig. Keiner für große Worte. Einer, der erstmal guckt.

Machen wir uns nichts vor: Am Anfang weiß man selten, was daraus wird.
Herr Kreps kam als junger Auszubildender – und blieb 25 Jahre.

Leise anfangen, solide wachsen

Die ersten Jahre waren klassischer Handwerksalltag. Erst Azubi, später dann als Geselle. Doch auch noch nicht der alte Hase, der jede Tür im Schlaf richtet. Was aber schnell auffiel: Er war ruhig, konzentriert, ohne Theater. Wenn andere diskutierten, hat er einfach gemacht.

Mit der Zeit wurde klar, wo seine Stärke lag: Reparaturen, Sicherheitstechnik, alles mit Fingerspitzengefühl. Wenn Türen verzogen waren oder Beschläge nicht wollten, war er in seinem Element. Wo andere gleich austauschen wollten, wurde von ihm erstmal nachgedacht – und dann repariert. Nicht laut, aber nachhaltig.

Und ja: Möbel, Inneneinrichtung und Oberflächen hatten es ihm besonders angetan. Da konnte er sich festbeißen.

Lehrgänge hat er viele besucht. Praxis? Immer interessiert. Theorie? Naja … sagen wir: Pflichtprogramm. (Werkstattmenschen wissen, was ich meine.) Seine Stärke war eindeutig das Machen.

„Nö, keine Fenster. Die kann jeder.“

Ein Satz aus der Werkstatt hat sich eingebrannt. Früher haben wir deutlich mehr Fenster eingebaut. Solides Geschäft, aber auch viel Vergleichbarkeit. Ich fragte ihn, welche Arbeiten ihm am liebsten seien. Antwort, trocken wie ein Hobelspan:

„Nö, keine Fenster. Die kann jeder.“

Nicht abwertend gemeint. Eher eine Feststellung. Und rückblickend auch ein kleiner Impuls für unseren Weg: mehr Reparatur, mehr Substanzerhalt, mehr Spezialfälle – weniger Mengengeschäft. Manchmal reicht ein ehrlicher Werkstattsatz, damit man sich selbst neu sortiert.

Verkehrte Welt auf der Baustelle

Wer Herrn Kreps nur kurz sah, lag öfter daneben. Schmal, drahtig, jünger wirkend – nicht selten wurde er für den Azubi gehalten, während der echte Azubi als Geselle durchging. Verkehrte Welt. Er hat’s mal genervt, mal mit einem Grinsen genommen.

Unvergessen eine Szene: Ein Kunde musterte ihn skeptisch und fragte direkt:
„Können Sie das überhaupt?“
Als Antwort gab es keine Diskussion – sondern saubere Arbeit. Reicht ja meistens.
Und beim nächsten Auftrag hieß es dann: „Schicken Sie wieder den vom letzten Mal vorbei.“

Schutzbrille sitzt. Humor auch.

Kundenbindung entsteht leise

In E-Mails stand: „Top Leute, Ihre Männer.“
Und am Telefon wurde nicht selten ganz gezielt nach ihm gefragt.
Wer einmal mit ihm gearbeitet hatte, wollte ihn wieder.

Acht Auszubildende – und viel Geduld

Über die Jahre war Herr Kreps auch an der Ausbildung beteiligt. Acht Auszubildende hat er begleitet. Auf Baustellen, in der Werkstatt, bei Reparaturen. Er hat erklärt, gezeigt, korrigiert – und manchmal bewusst zugesehen, damit jemand selbst erkennt, warum etwas nicht funktioniert.

Geduld gehört im Handwerk dazu. Und die hatte er. Einige seiner „Jungs“ schlossen ihr Gesellenstück mit Auszeichnung ab. Einer wurde später in die Begabtenförderung aufgenommen. Das ist kein Zufall. Wissen weiterzugeben ist keine Nebensache. Es ist Verantwortung.

25 Jahre sind mehr als Baustellen

Ein Vierteljahrhundert besteht nicht nur aus Aufträgen. In dieser Zeit sind zwei unserer Betriebshunde gestorben. Herr Kreps hatte an beiden seine Freude. Und als sie gingen, hatte er dicke Augen.

Auch privat gab es Einschnitte:
Als sein Schwiegervater starb, war er stiller als sonst.
Als er mit dem Sohn seiner damaligen Freundin – heute sein Sohn, Punkt – einen unverschuldeten Autounfall hatte, haben wir mitgefiebert und aufgeatmet.

Oder als seine Frau die Kinder bekam: Morgens ging der erste Blick aufs Handy. Gibt es schon eine Nachricht? Kommt er heute – oder ist es soweit? Jeden Tag wurde neu geplant: Welche Baustelle passt, damit er im Ernstfall schnell loskann? Nicht die weiteste Strecke, eher die, von der man zügig zurück ist. Werkstattalltag mit Geburtsbereitschaft sozusagen.
Und wenn er dann doch ganz normal zur Tür hereinkam, ging der Tag los wie immer – nur mit einem kurzen Grinsen mehr.

Vom Alfa Romeo über den Touran bis zum Allrad-Bulli.
Von der Dachgeschosswohnung bei den Eltern zum selbst renovierten Häuschen.
Später ins eigene Einfamilienhaus mit Frau und drei Kindern.
Man begleitet sich eben ein Stück.

Umgekehrt genauso:
Als ich mehrere Monate mit einem Bandscheibenvorfall ausfiel, hielten Herr Kreps und meine Frau den Betrieb am Laufen. Sechs Monate lang. Ohne großes Gerede. Einfach gemacht.

Ein neuer Abschnitt

Nach 25 Jahren hat sich Herr Kreps beruflich neu orientiert und arbeitet künftig im technischen Bereich einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung.
Wer ruhig, präzise und geduldig arbeitet, Wissen weitergibt und Verantwortung übernimmt, bringt dafür beste Voraussetzungen mit. Solche Entscheidungen trifft man nicht leichtfertig – und wir respektieren diesen Schritt.

Was bleibt

25 Jahre sind keine Episode:

  • Unzählige Reparaturen.
  • Acht begleitete Auszubildende.
  • Viele zufriedene Kunden.
  • Ein trockener Satz über Fenster.
  • Und die Frage: „Können Sie das überhaupt?“ – Ja. Konnte er.

Danke für 25 Jahre Zusammenarbeit, Edu! Und alles Gute für deinen neuen Weg!

Manche Menschen gehen aus dem Betrieb. Aber nicht aus der Geschichte.

Tischlermeister und Sachverständiger Jürgen Hoppe

Jürgen Hoppe

Tischlermeister · öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (HWK Hannover)

Seit 1999 arbeitet Jürgen Hoppe selbstständig im Raum Rinteln und im Landkreis Schaumburg. Schwerpunkt ist die Reparatur und Instandsetzung von Fenstern, Türen und Rollläden im Bestand. Dazu gehören das Einstellen von Beschlägen, der Austausch verschlissener Teile und Reparaturen, wenn Austausch nicht nötig ist.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert