Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster!

1978 wurde die Tischlerei Hoppe in Rinteln (nahe Hannover) von Heinz Hoppe gegründet. Mittlerweile führt sein Sohn Jürgen Hoppe den Betrieb eigenverantwortlich weiter. Er hat sich auf die Ertüchtigung von Fenstern und Türen spezialisiert.

In der Ausgabe 6/7 berichtete die „exakt“ über den Fenstergriff „Secu100“ der Firma Hoppe, der eine „hohe mechanische Sicherheit, also eine gute Schutzwirkung gegen Einbruch“ gewährt, so die Aussage des Herstellers. Die nachträgliche Montage eines abschließbaren Fenstergriffes genügt dem Tischlermeister Jürgen Hoppe aus dem Schaumburger Land (mit dem gleichnamigen Beschlaghersteller nicht verwandt oder verschwägert!) aber nicht. Er weiß: „Abschließbare Fenstergriffe allein reichen nicht aus, weil sie keinen Aufhebelschutz bieten.“ Und davon können sich Interessenten bei ihm jederzeit selbst überzeugen.

Grund zum Nachdenken: Wenn der 8-jährige Florian mit wenig Mühe ein handelsübliches Kunststofffenster aushebelt, wird der Bedarf nach mehr Sicherheit auch für Laien ersichtlich.

Grund zum Nachdenken: Wenn der 8-jährige Florian mit wenig Mühe ein handelsübliches Kunststofffenster aushebelt, wird der Bedarf nach mehr Sicherheit auch für Laien ersichtlich.

Besuch beim Spezialisten

Gesagt getan – auf nach Rinteln! Jürgen Hoppe unterhält seine Tischlerei am Rande eines Wohngebietes. Dort hat sich die Werkstatt nach und nach entwickelt. Inzwischen gibt es auch einen kleinen Schauraum mit allerlei Beschlagstechnik. In einem schweren Balkenrahmen steckt ein handelsübliches Kunststofffenster. Jürgen Hoppe verschließt es – mit welchem Griff ist jetzt erstmal egal – und drückt dem Besucher (also mir) ein einfaches Hebelwerkzeug in die Hand. Dass mich das Holzstück an einen Pfannenwender erinnert, liegt sicher nicht nur an meinem leichten Hungergefühl nach der langen Anfahrt quer durch Deutschland… Hoppe deutet auf die empfindlichen Punkte, wo die einfachen Verschlusszapfen sitzen, ich setze den Hebel an, es knackt kurz – und die erste Zuhaltung ist überwunden. Ich wiederhole das ganze am oberen Rahmen – und schon springt das Fenster auf. Das ganze hat nur wenige Sekunden gedauert, bedurfte keinerlei Erfahrung im Einbruchgewerk und geschah ohne verdächtige Geräusche. Beschädigungen sind keine zusehen – das dürfte den Nachweis gegenüber der Versicherung nicht eben erleichtern. „Richtig weiß werden Zuschauer aber, wenn bei öffentlichen Vorführungen mein Sohn das Fenster aufhebelt“, berichtet Hoppe. Er stellt u. a. beim Tag der offenen Tür der Polizei aus, oder beim Stadtfest. Zufällig ist Florian zu Hause. Der Achtjährige ist noch zu klein, um an alle Punkte zu gelangen. Also wird ein Stuhl organisiert, Florian klettert rauf, kurze Instruktion vom Vater, einmal kräftig schnaufen – und schon hat auch er das Fenster geknackt. Kein Wunder, dass jeder Eigenheimbesitzer nach so einer Show direkt nach Hilfe vom Spezialisten ruft.

 

Tischlermeister Jürgen Hoppe vor einem Musterfenster

Tischlermeister Jürgen Hoppe aus Rinteln vor einem Musterfenster

Mitglied der ersten Stunde

Jürgen Hoppe nimmt das Thema Sicherheit sehr ernst. Natürlich erledigt er als „Allround-Tischler“ auch alle Anfragen aus der Nachbarschaft und übliche Tischlerarbeiten machen immer noch rund die Hälfte aller Arbeiten aus, aber überregional bekannt und gefragt ist er wegen seiner Kompetenz in Sachen Fenster- und Türbeschläge. Und zwar nicht nur beim nachträglichen Sichern bestehender Elemente, sondern im Zweifel auch beim Öffnen der anspruchsvollen Technik. „Wenn der Schlüssel verloren wurde, oder der Notarzt zu einer hilflosen Person hinter verschlossener Tür gerufen wird“, berichtet Hoppe. Zu solchen Notöffnungen ruft ihn dann die Polizei direkt zum Einsatzort. „Man muss auch die Sachen öffnen können, die man einbaut“, weiß Hoppe. Das klingt banal, ist es aber nicht. Denn wie soll man üben? Einen oft mehrere hundert Euro teuren Beschlag oder gar eine ganze Tür malträtiert man ja nicht ohne Grund. Was bleibt, sind die Kurse bei den Herstellern oder die überregionalen Fortbildungen der Polizei. Überhaupt steht der Tischler in gutem Kontakt mit den Behörden. „Viele Eigentümer nutzen den kostenlosen Service der (Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstellen – gerade in der dunklen Jahreshälfte.“ Dem Interessenten wird dann eine Liste mit zertifizierten Handwerksbetrieben übergeben, die sogenannte Errichterliste. Und häufig klingelt dann bei Hoppe das Auftragstelefon, denn es gibt regional nicht viele Unternehmen die sich nach Antragstellung dem Aufnahmeverfahren gemäß „bundeseinheitlichem Pflichtenkatalog für Errichterunternehmen von mechanischen Sicherungseinrichtungen“ der Kommission Polizeiliche Kriminalprävention erfolgreich unterzogen haben. „Zusätzlich waren wir einer der ersten Betriebe aus Niedersachsen, die ausgezeichneter ,Fachbetrieb für Gebäudesicherheit‘ sind. Auch jetzt sind es erst 13 Betriebe, die diese Bezeichnung führen dürfen“, ergänzt Hoppe. „Die so vermittelten Kunden haben schon sehr genaue Vorstellungen von dem, was sie eingebaut haben möchten.“ Es sind zumeist die Klassiker: Ein Türspion, um direkt zu sehen, wer draußen steht, eine solide Türspaltsicherung für die erste Kontaktaufnahme – und natürliche aufschraubbare Zusatzsicherungen. Erst damit wird ein Fenster wirklich spürbar sicherer. Auch das lässt sich am Versuchsstand von Jürgen Hoppe überprüfen: Alle Zusatzsicherungen werden verriegelt – jetzt geht mit dem einfachen (Einbruch-)Werkzeug nichts mehr. cg

Schlüsseldienst oder Notöffnungen - Jürgen Hoppe aus Rinteln

Schlüsselverlust oder Notöffnung. „Was man einbaut, muss man auch öffnen können, notfalls mit schwerem Gerät“, so Jürgen Hoppe.

Weitere Informationen

Auf den Informationsseiten der Landeskriminalämter gibt es für Laien und Profis zahlreiche Informationen zum Thema Einbruchschutz. Meinen Besuch bei der Tischlerei Hoppe aus der Sicht des Werkstatt-Hundes finden Sie im (B)logbuch der Tischlerei.

11/2012: exakt, Magazin für Tischler