Dunkle Jahreszeit ist da – der Einbrecher auch

Polizei und Handwerker raten zur Vorsorge / Fenster auch im Obergeschoss nicht auf Kipp lassen

Rinteln (jaj). Die dunkle Jahreszeit hat gerade erst begonnen und schon muss die Polizei landesweit gestiegene Einbruchszahlen verzeichnen. Für die Opfer sind die Taten oft ein einschneidendes Erlebnis, weiß Polizeichef Wilfried Korte.

Polizeichef Wilfried Korte (l.) und Polizeioberkommissar Rolf Potthast mahnen zur Vorsorge. Mit Flyern will die Polizei Hausbesitzer auf Gefahrenquellen hinweisen. Foto: jaj

Polizeichef Wilfried Korte (l.) und Polizeioberkommissar Rolf Potthast mahnen zur Vorsorge. Mit Flyern will die Polizei Hausbesitzer auf Gefahrenquellen hinweisen. Foto: jaj

„Sich vorzustellen, dass ein Fremder in persönlichen Dingen gewühlt, vielleicht sogar auf dem Bett gesessen hat, ist gerade für Frauen oft schwierig“, sagt er. Die Polizei appelliert daher noch einmal an alle Hausbesitzer, vorzubeugen.

Das beginne bei ganz kleinen Dingen, erklärt Polizeioberkommissar Rolf Potthast. So sollten Leitern beispielswiese nicht im Garten liegen gelassen werden und beim Verlassen des Hauses sollten Fenster und Türen sorgfältig verschlossen werden. „Auch Fenster im Obergeschoss sollten nicht auf Kipp bleiben“, sagt er. Bei längerer Abwesenheit sei es sinnvoll, einen Nachbarn darum zu bitten, ab und an nach dem Rechten zu schauen und eventuell Lichtquellen im Haus mit einer Zeitschaltuhr zu steuern. „Außerdem sollte natürlich dafür gesorgt werden, dass der Briefkasten regelmäßig geleert wird.“

Zur Prävention von Einbrüchen ist die Polizei seit Kurzem außerdem mit speziellen Flyern ausgestattet, die an Haustüren gehängt werden können. Sollte den Beamten bei ihren Streifen oder Einsätzen eine Gefahrenquelle auffallen, können sie die Eigentümer mithilfe der Flyer darüber informieren, falls sie sie nicht persönlich antreffen können.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch eine individuelle Beratung durch das Präventionsteam der Polizei in Anspruch nehmen. Bei diesem kostenlosen Service kommt ein Beamter zu den Ratsuchenden, weist vor Ort auf Gefahrenquellen hin und gibt Tipps, wie die Situation verbessert werden könnte.

Jürgen Hoppe. Foto: jaj

Jürgen Hoppe. Foto: jaj

Eine große Bedeutung bei der Sicherung des Eigenheims kommt bei diesen Beratungen auch einem Bereich zu, den Haus- und Wohnungsbesitzer gerne mal vernachlässigen: den Fenstern. „Was nützt die beste Eingangstür, wenn sich die Fenster leicht aufhebeln lassen“, verdeutlicht es der Tischlermeister Jürgen Hoppe aus Engern. Seine Tischlerei ist zertifizierter „Fachbetrieb für Gebäudesicherheit“ und außerdem mit „Eisen-Niemeyer“ einer von nur zwei Betrieben im Stadtgebiet, die vom Landeskriminalamt Niedersachsen überprüft und anschließend in dessen „Errichterliste“ aufgenommen wurden, in der vertrauenswürdige und kompetente Betriebe genannt werden.

Wer sichere Fenster möchte, sollte neben einer einbrucherschwerenden Verglasung und abschließbaren VDS geprüften Fenstergriffen vor allem Wert auf sichere Beschläge legen, rät der Tischlermeister. „Statistisch gesehen geschehen die meisten Einbrüche durch das Aufhebeln von Fenstern“, sagt er. Und genau das könnten mechanische Sicherungen, die an den meisten Fenstern auch nachgerüstet werden können, verhindern – oder zumindest deutlich erschweren.
Möglich sei beispielsweise zusätzlich zu den normalen Fensterbeschlägen spezielle einbruchhemmende Beschläge einbauen zu lassen. Bei ihnen greift ein auch als „Pilzkopf“ bezeichneter Stahlfortsatz fest in ein dazu passendes Sicherheitsschließblech. „Ein normales Fenster können Einbrecher innerhalb von wenigen Sekunden fast geräuschlos aufhebeln“, sagt Hoppe. Bei Sicherheitsbeschlägen sei dieses Vorhaben gleich um ein Vielfaches schwieriger. Es gebe aber auch die Möglichkeit, die Fenster mit aufschraubbaren Nachrüstsicherungen auszustatten.

„Ich rate Hausbesitzern dazu, einen Beratungstermin mit der Polizei zu vereinbaren“, rät er. Und er empfiehlt auch, die Beamten noch einmal hinzuzuziehen, wenn die Nachrüstung abgeschlossen ist. „Ich habe es schon erlebt, dass Handwerker die Pilzköpfe einfach abgesägt haben“, erzählt er. Das sei beim Einbau schneller gegangen – habe so aber natürlich überhaupt nicht zur Sicherung des Hauses beigetragen.

Informationen zu der Beratung durch das Präventionsteam gibt es unter (05751) 95450 beim Polizeikommisariat Rinteln.

Redakteurin: Jessica Rodenbeck

09.11.2012, Schaumburger Zeitung