Ich will es nicht wahrhaben – Ulrich Reineking ist tot.

Für alle Nichteingeweihten:
Ulrich Reineking war ein Lokalredakteur der Schaumburger Zeitung. Ein Redakteur? Nein, vielmehr: der Redakteur (eine Entschuldigung an seine Kollegen, aber keiner erreichte die Wahrheit und die Beobachtungsgabe von Herrn Reinekings Frühstücks-Eiern) . Ich lernte ihn erstmals bewusst kennen im Rahmen meiner Arbeit für meinen Vater, Wilhelm Luther. Ulrich Reinekings Bericht zum 1. April, in dem er über einen Rintelner Unternehmer, der im Internet sogar öffentlich auf die Toilette geht, ist heute noch Gesprächsstoff bei uns.
In seinem Frühstücks-Ei nahm er in seiner eigenen Sichtweise des Alltäglichen u.a. das eine oder andere Mal meinen Vater und seine Lust auf gutes Essen auf´s Korn. Und auch wenn keine Namen dabei standen und Herr Reineking die Tatsachen zugunsten meines Vaters verfälschte, wir erkannten trotz der wenigen Worte des Frühstücks-Eis den Täter sofort! Zu gut war die Beobachtungsgabe, mit der Herr Reineking den Bratwurstvernichter auf Diät und den die Diät seiner Ehefrau torpedierenden Schokoladenkäufer beschrieb!

Auch wir von der Tischlerei hatten die Ehre, Gegenstand eines Artikels von „ur“ zu werden. Anschließend traute ich mich eine Woche kaum mehr, unter Menschen zu gehen. Zu begeistert und schwungvoll war der Bericht von Herrn Reineking.
Aber noch heute sind wir stolz auf diesen Artikel und wir werden immer noch auf die „tolle Kiste“ und den Artikel angesprochen. Wenn in unserem Büro auch das Chaos herrscht – den säuberlich laminierten Bericht von Herrn Reineking finden wir jederzeit sofort!

Aber auch ohne seine Überwachung einzelner Familienmitglieder samt schriftlichem Bericht in der Tageszeitung und ohne uns betreffende Artikel galt morgens der erste Blick dem Frühstücks-Ei, das so manches Mal unser Pausengespräch bestimmte.
Meistens brauchte man auch bei den „regulären“ Artikeln gar nicht auf das Verfasserkürzel zu schauen, man wusste einfach aufgrund des ganz eigenen Schreibstils, dass hier ein (der!) Meister der Ironie und der Beobachtungsgabe am Werk war.

Wir danken noch einmal für jedes einzelne Frühstücks-Ei und verbeugen uns vor dem Redakteur, der eine ganz eigene Klasse darstellte.

Tischlerfrau

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Ich bin die "Tischlerfrau": Ehefrau vom Tischlermeister, Mutter von zwei Jungs, Frauchen und Möchtegernchefin vom Tischlerhund Ember.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr schön geschrieben und leider trifft es genau, DER Redakteur der SZ und einer der besten Kabarettisten ist gegangen.
    Es wird nie mehr so sein wie bisher.

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